Grüße aus Cuxhaven . . .

Souvenir-Geschirr
aus dem Nordseeheilbad Cuxhaven und seinen Kurteilen


- eine Ausstellung zum Stadtgeburtstag -


im Foyer des Strandhotel Duhnen,
Duhner Strandstraße 5-7, 27476 Cuxhaven
vom 18. Mai 2007 bis zum Saisonende

Die Ausstellung begleitet das diesjährige Ereignis

"Stadtgeburtstag Cuxhaven - 100 Jahre Stadtrechte".

Der Initiatorenkreis für diese kleine Exposition setzt sich aus fünf Cuxhavener Bürgern zusammen, deren Sammelleidenschaft verschiedene Aspekte aus der Kunst- und Kulturgeschichte Cuxhavens umfasst. Allen gemeinsam ist das Sammeln von Souvenir-Geschirr aus Porzellan und Glas. In Anlehnung an den Stadtgeburtstag hat der Sammlerkreis für diese Ausstellung 100 seiner schönsten Objekte ausgewählt. Die ältesten der hier gezeigten Exponate stammen aus der Epoche des ausgehenden Historismus, also der Zeit um 1900. Sämtliche Objekte beziehen sich ausschließlich auf Cuxhaven und seine benachbarten Kurteile Altenbruch, Döse und Duhnen. Diese Ortsteile sind auch der ordnende Faktor der gezeigten Schausammlung.


Kaffeeservice mit den Ansichten Wasserturm, Hafen und Leuchtturm

Das ausgehende 19. Jahrhundert brachte für Cuxhaven weitreichende Veränderungen in der Infrastruktur. War es für den Reisenden zuvor noch äußerst mühevoll, die Stadt zu erreichen, indem er entweder mit dem Dampfschiff auf der Elbe oder aber auf dem Landweg mit der Kutsche anreisen musste, gab es mit der Eröffnung der Unterelbischen Eisenbahn im Jahre 1881 eine positive Veränderung. Dank des technischen Fortschritts konnte eine schnelle und komfortable Verbindung zwischen Cuxhaven und Stade bzw. Harburg gebaut werden. Nachfolgend, im Jahr 1896, wurde dann die Eisenbahnver-
bindung nach Geestemünde (Bremerhaven) eröffnet. Diese Neuerungen führten dazu, dass weit mehr Erholung suchende Gäste das bereits 1816 vom damaligem Amtsver-

walter Dr. Amandus Abendroth gegründete Seebad aufsuchten. Auch der 1882 erfolgte Zusammenschluss mehrerer wohlhabender Bürger zur „Cuxhavener Seebad A.G.“ führte zu einem weiteren Anstieg der Gästezahlen. Als Folge des sich einstellenden Besucheransturms wurden viele neue Quartiere in Cuxhaven und dem bei Gästen immer beliebter werdenden und zu damaliger Zeit noch versteckt in den Dünen schlummernden Nachbarort Duhnen errichtet. Bereits 1887 erbaute Hamburg hier das erste Kinderheim, die Christian Görne-Stiftung.

1893 konnte der Hotelier Mangels ebenda sein Strandhotel eröffnen, und zehn Jahre später wurde ein repräsentatives Kurhaus, in dem sich fortan das gesellschafliche Leben des aufstrebenden Kurteiles abspielte errichtet. Auch die Privatver-
mieter entdeckten den wachsenden Frem-
denverkehr als zusätzliche Einnahme-
quelle und boten den Sommerfrischlern ihre zumeist bescheidenen Unterkünfte an.

Jeder Erholungsaufenthalt ging einmal zu Ende und viele Gäste suchten nach einem Erinnerungsstück des inzwischen lieb ge-


Tassen: "Nagel's Karrenbade-Anstalt Cuxhaven" und "Gruß vom Strandhotel Duhnen"
wordenen Urlaubsortes. Was lag also näher, als eines der Andenkengeschäfte aufzusuchen und nach einem typischen Souvenir (franz. = Erinnerung) zu schauen, aus dem nach längerer Aufbewahrungszeit ein Sammlerstück werden kann, wie die Ausstellung zeigt. Nicht nur den Urlaubsgästen bot Cuxhaven vorübergehend Aufenthalt, auch für die Mariner der seit 1892 bestehenden Marinegarnison war Cuxhaven ein Wohnaufenthalt auf Zeit. Mit dem Ende ihrer Dienstzeit entschieden sich daher viele für den Kauf eines Andenkens mit „Cuxhaven-Bezug“.

Ein besonders beliebtes Mitbringsel aus der Ferne war das Souvenir-Geschirr aus Glas oder Porzellan. Bereits zur Biedermeierzeit waren Andenkengläser gern gekaufte Erinner-
ungsstücke für sich selber oder als Geschenk für die Freunde. Die bis 1850 größtenteils von Hand gefertigten farbigen Badebecher und Konfektschalen waren für lange Zeit die bevorzugten Andenken. Eine gefällige äußere Form und die eingeschliffenen Ansichten, z.B. vom Badehaus an der Alten Liebe oder vom Karrenbad in der Grimmershörnbucht, über-
zeugten die Kaufinteressenten. Später dann, mit Beginn der Industrialisierung, wurde das Andenkenglas zum Massenprodukt. Gründe hierfür waren die einfach herzustellenden farbigen Abbildungen und der geringe Preis. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts wurden Souvenirgläser mit Ansichten der deutschen Badeorte hauptsächlich in Böhmen gefertigt. Nebenstehend sehen Sie hierzu Beispiele mit ortstypischen Abbildungen aus der Zeit um 1900.


Die bereits seit dem frühen 19. Jahrhundert beliebten „Sammlungen der vorzüglichsten Ansichten der Seebäder“, elegant in Albumform gebunden, waren in Cuxhaven in wechselnden Drucktechniken erhältlich. Diese Ansichten fanden auch für die in Massenproduktion hergestellten Gebrauchsgegenstände und Vitrinenobjekte aus Porzellan und Glas Verwertung. So wurden außer den häufig nachgefragten Sammeltassen insbesondere Teller, Tee- und

Aschenbecher "Am alten Hafen"

Kaffeeservices, bestehend aus Tablett, Kanne, Zuckerdose und Milchkännchen, Vasen und Aschenbecher produziert. Durch die aufgebrachten Motive war ein täglicher Gebrauch dieser Artikel ausge-
schlossen, so dass sie als wohl behütete Sammelstücke in den Vitrinen verschwan-
den. Insbesondere die empfindlichen Golddekore in Ornamentform sowie die im Jugendstil gerne verwendeten floralen Muster hielten dem Alltagsgebrauch nicht stand. Die Platzierung des Bildmotivs findet sich bei Sammeltassen häufig im Tassenboden oder auf der dem Henkel gegenüberliegenden Seite. Anders bei Gebrauchstassen, hier liegt das Motiv gut sichtbar links neben dem Henkel.

Die Herstellung der Souvenir-Geschirre erfolgte hauptsächlich in den Porzellan-
fabriken und -manufakturen in Böhmen und Thüringen.

Ein in England erfundenes Umdruckverfahren fand seinen Weg auch in die deutsche Produktion. Die Geschirrdekoration wurde hierdurch, im Gegensatz zur Handmalerei, erheblich kostengünstiger und für jedermann erschwinglich. Zusammen mit der Einführung von Abziehbildern war der Weg zur Massenproduktion frei. Die Einführung von speziellen Lichtdruckverfahren ermöglichte schließlich die Herstellung farbiger Abziehbilder, mit denen auch kleine Serien kostengünstig umgesetzt werden konnten. Ein weiteres häufig

Teller mit Leuchtturm, Semaphor und Telegraphenamt

angewendetes Verfahren war die Herstellung von schwarzen Konturendrucken, die mit Kaltfarbenmalerei koloriert wurden. Viele der in der Ausstellung gezeigten Exponate tragen die Handschrift dieses Verfahrens. Nur selten veranlassten die Manufakturen ein Copyright auf ihre Produkte. Auch Herstellerkennzeichen, wie bei Markenporzellanen üblich, sind kaum zu finden. Die gestalterische Qualität der meisten um 1900 produzierten Andenken muss überwiegend als gering eingestuft werden.

Insbesondere der Stilmix vieler Stücke, die häufig noch zusätzlich mit Applikationen der unterschiedlichen Stilepochen geschmückt wurden, wirken teilweise überfrachtet und können als Kitsch bezeichnet werden. Dennoch üben diese Souvenire auf viele Betrachter einen gewissen Reiz aus. Der Ausstellungsbesucher mag sich fragen, warum das so ist.

Hierzu sei ein kleiner Exkurs erlaubt. Die Frage, ob es sich um Kitsch oder Kunst handelt, spielt für den Käufer keine Rolle.

Der Terminus „Kitsch“ stammt aus dem Historismus und tauchte zuerst im Münchener Kunsthandel auf. Die von Schwabinger Künstlern eilig angefertigten Malereien wurden an Durchreisende „verkitscht“, d.h. billig verkauft. Diese drittklassige Kunst, die in oberflächlicher Ausführung einem Originalkunstwerk nachempfunden war, bezeichnete man folglich als Kitsch.

Eine Besonderheit des Souvenir-Geschirrs in damaliger Zeit liegt in seiner Bedeutung als Werbeträger. Die auf den Andenken abgebildeten Ansichten zeigten besonders reizvolle Sehenswürdigkeiten des Nordseeheilbades und weckten häufig das Interesse der nicht mitgereisten Freunde und Verwandten. Dadurch motiviert entwickelten sie nicht selten eigene Reisepläne für einen Erholungsurlaub in Cuxhaven oder in seinen benachbarten Kurteilen.

Dass neben dem hier gezeigten Souvenir-Geschirr unzählige weitere Andenkenvarianten in den Strandbazaren und Andenkenläden um die Gunst der Käufer warben, beweisen die gesondert ausgestellten Exponate in dieser Schausammlung.

Text: Hagen Zielke · Fotos: Hans-Ulrich Armbrust †

Literatur:
Autorenkollektiv Altonaer Museum: Saison am Strand. Hamburg, 1986.
Autorenkollektiv Ostpreußisches Landesmuseum: Souvenirs aus Ostpreußen. Lüneburg, 1996.
Christian L. Küster: Souvenir-Geschirr aus Norddeutschland, Altonaer Museum. Hamburg, 2002.
Autorenkollektiv: Souvenir. Die Erinnerung in Dingen. Von der Reliquie zum Andenken. Köln, 2006.


Vom 13. April 2007 bis 11. Mai 2007

war die Ausstellung in der Stadtsparkasse Cuxhaven zu sehen

Initiatoren und Leihgeber:
Frank Möller, Fam. G. Raulff, Peter Weber, Frank Weiland, Hagen Zielke.

Idee: F. Weiland - Gestaltung der Ausstellung: H. Zielke, F. Weiland
Ausstellungsführer: Text u. Gestaltung: H. Zielke, Fotos: H. U. Armbrust †

Unser Dank geht an die Stadtsparkasse Cuxhaven - www.ssk-cuxhaven.de / Torsten Maass - Maass Internationale Spedition, Cuxhaven - www.bruessel-maass.de / Detlef Baak - Réclame Werbetechnik, Cuxhaven - www.reclame.de / Druckerei Wöbber, Cuxhaven-Duhnen - www.woebber.de.



Stand 22.04.2007

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